Französischer Maler (1887-1985)
Marc Chagall ist einer der größten Meister des 20. Jahrhunderts, der mit seinem Schaffen die Kunstwelt nachhaltig beeinflusste. Ein einzigartiger Mythenerzähler von unglaublich schöpferischer Kraft – ein malender Poet.
Die Lithografie nahm in Chagalls künstlerischem Werk eine herausragende Stellung ein. Sie gab ihm die Freiheit, die metaphorischen Visionen eines Werkes mit neuen Mitteln auszudrücken.
Ursprung seiner Schöpfungen sind die religiöse Erlebniswelt seiner Kindheit, antike Mythen und Legenden. Seine bevorzugten Wesen sind verliebte, verzauberte und verträumte Gestalten, schwerelos und der Realität entrückt. Die lichte, offene Zeichensprache, das zarte Schweben der Bildmotive entwickeln eine reizvolle Sprache der Fantasie. Der Betrachter wird überwältigt von der Harmonie des Themas und der poetischen Schönheit der Farben.
Marc Chagall beschreibt seine Malerei als die „glückliche Vision einer wünschbaren Welt“ und versteht sie als ein Gegenbild zur Realität.
Chagall wurde 1887 in Witebsk geboren. Nach seiner Ausbildung in Russland zog es den jungen Künstler 1910 nach Paris. In den vier Jahren seines Aufenthaltes lernte er die aktuellen Kunstströmungen kennen und knüpfte Verbindungen zu Malern wie Picasso, Matisse und Léger. Er befasste sich eingehend mit den Werken der Fauvisten und Kubisten, fand aber seinen eigenen unverwechselbaren Stil.
Zurückgekehrt nach Witebsk, heiratete er 1915 Bella Rosenfeld. Dort wurde er zum Kommissar der bildenden Künste ernannt und gründete mit den Hauptvertretern des russischen Suprematismus Lissitzky und Malewitsch eine moderne Kunstschule. Deren Stil der Geometrisierung und Abstraktion fand jedoch keinen Eingang in Chagalls Formenrepertoire.
1922 verließ er endgültig Russland und ging über Berlin mit seiner Familie zurück in die Kunstmetropole an der Seine. Während des Zweiten Weltkrieges hielt er sich zeitweilig in New York auf und beschloss ab 1948 wieder in Frankreich zu leben. Der Tod seiner Frau unterbrach 1944 für viele Monate seinen Schaffensfluss. Frühe Akt- und Paarbilder drücken Chagalls tiefe Zuneigung zu ihr mit einer starken erotischen Symbolik aus. Diese Werke sind ein Hymnus auf das Glück menschlicher Harmonie und verbildlichen den Mythos von Mann und Frau.
Mit der Darstellung der antiken Liebesgeschichte von "Daphnis und Chloé" verarbeitet Chagall auch persönliche Veränderungen in seinem Privatleben. Er heiratet 1952 die Russin Vava Brodsky. Auf der griechischen Insel Paros beginnt nun jener neue Lebenskreis den Chagall braucht, um behütet wirken zu können. In "Daphnis und Chloé" sind diese Ereignisse dargestellt. Räume der Stille wechseln mit überschwenglichen Festlichkeiten. Aber über allem schwebt die erfahrbare Liebe, losgelöst von den Schwernissen menschlichen Daseins. Chagall hat drei Jahre intensiv an diesem Zyklus gearbeitet. Der Zyklus, eine Folge von 42 Original-Farblithografien, ist ein Meisterwerk der Illustration in der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Neben der Illustration vieler Bücher im Auftrag des Kunsthändlers Vollard entstanden auch Bilder zum Alten Testament. Diese Thematik griff Chagall in seinem Spätwerk bei der Gestaltung von Glasfenstern verschiedener Kirchen wieder auf.
Bereich der Grafik, der die künstlerischen Darstellungen umfasst, die durch verschiedene Drucktechniken vervielfältigt werden.
Druckgrafische Techniken sind u.a. Holzschnitt, Kupferstich, Radierung, Lithografie, Serigrafie.
Weiterführende Links:
Holzschnitt
Kupferstich
Radierung
Lithografie
Serigrafie
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