Und jetzt, wohin mit den Bildern?


So hängen Sie richtig:

Das Erste, was beim Bezug einer Wohnstätte Platz im neuen Heim findet, ist oft ein Bild, noch vor dem Kühlschrank.
Man will es ja wohnlich haben. Und schon bei dieser Urform der Kunstpräsentation, der Einbildhängung im Privatbereich,
taucht das zentrale Problem auf, dem sich auch die größten Museen der Welt stellen müssen: Wohin mit der Kunst?
 
Gibt es in Ausstellungshäusern studiertes Personal, Fachrichtung Museologie, für die Antwort auf diese Frage,
steht der Laie vor der Qual der Wahl: Petersburger Hängung, Kantenhängung oder die Collage als individuelles Gesamtkunstwerk?
Letztere Variante soll häufiger in den Küchen von Wohngemeinschaften zu besichtigen sein, sie erhielt
daher auch in eingeweihten (Eltern-) Kreisen den Beinamen "Wie sieht’s denn hier aus?".

Selbst im Zeitalter eines "Anything goes", in dem geschmacklich und damit auch von den Hängungsprinzipien für Bilder erlaubt ist,
was gefällt, gibt es grundsätzliche ästhetische Prinzipien, die den Start einer Bilderhängungskarriere erleichtern:
 

Petersburger Hängung, nach ihrem Ort, der Petersburger Eremitage, benannt, heißt nichts weiter als möglichst
eng und hoch verteilt möglichst viele Bilder an eine Wand zu hängen. Sehr empfehlenswert. Und richtig hip.


Bei der Kantenhängung wird unabhängig von inhaltlichen Kriterien mittels einer Wasserwaage gnadenlos alles an
einer imaginären Mittellinie
ausgerichtet.

 

Eine Wand ein Bild:  Sehr empfehlenswert, wenn man genügend Wände und entsprechende Formate hat.

 

Die Symmetrische Hängung kann ab drei Bildern aufwärts versucht werden, indem man die Bilder in ein wie auch
immer geartetes symmetrisches Verhältnis zueinander setzt. Empfehlenswert, da Menschen grundsätzlich Harmonie-
und damit auch Symmetriesüchtig sind. Egal, was Sie bevorzugen: Machen Sie vor dem Löcherbohren eine Probelegung
auf dem Fußboden.

 

Apropos: Auf dem Boden. Wer sagt eigentlich, dass Sie Ihre Bilder unbedingt aufhängen müssen? Im Künstleratelier
stehen sie schließlich auch am Boden oder auch auf einem Regal, auf dem Sofa - in jedem Fall ganz leger gegen
die Wand gelehnt.

Was immer auch bei den ersten Hängungsversuchen herauskommt: Wenn Mehrfachhängungen erste Ansätze einer
kleinen eigenen Sammlung annehmen, gilt die Prozesshaftigkeit des Ganzen. Eine Sammlung ist wie ein Kind: Sie wächst,
mitunter in Schüben, verändert sich ständig und will gehegt und gepflegt werden.