Gerhard Richter:
Bild "20.3.88" (1988) (Unikat)
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Kurzinfo

Unikat | signiert | datiert | Aquarell auf Papier | gerahmt | Format 35 x 42,5 cm

Bestell-Nr. IN-939357.R1
Bild "20.3.88" (1988) (Unikat)
Gerhard Richter: Bild "20.3.88" (1988) (Unikat)

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Detailbeschreibung

Bild "20.3.88" (1988) (Unikat)

Die Aquarellmalerei war für Richter wie ein kleiner Urlaub von den großformatigen Gemälden in Öl. Das Bildermalen sei seine tägliche Arbeit, sein Beruf – bei den Aquarellen hingegen könne er es sich eher einmal leisten, der Laune und den Stimmungen nachzugeben, so der Maler. Seine ersten Schritte in der Aquarellmalerei hatte Richter bereits im Alter von 17 Jahren gemacht. Als er 1951 an der Dresdener Kunstakademie sein Studium begann, verlor er das Aquarellieren aber zunächst wieder aus den Augen, da es nicht an der Hochschule unterrichtet wurde. Eine erste Serie an Werken in Wasserfarben produzierte er 1964, doch erst ab 1977 nahm Richter die Aquarellmalerei in sein OEuvre auf. Dabei arbeitete er immer in Zyklen und schuf innerhalb weniger Wochen ganze Serien von Aquarellen. Ende 1997 beendete er schließlich seine Arbeit in dieser Technik vollständig.

In den über zwei Jahrzehnten, in denen Gerhard Richter Aquarelle malte, sollte er eine sehr individuelle Definition dieser Malweise entwickeln. Denn Richter wäre nicht Richter, wenn er die Aquarellmalerei lehrbuchmäßig ausgeführt hätte. Wie in seiner Ölmalerei gab er sich auch hier nicht mit den Grenzen der Technik zufrieden, sondern modifizierte sie und war ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und Facetten. Die Verweigerung der Regeln des Aquarells fing schon bei der Wahl des Bildträgers an: Als er 1977 begann, in größerem Umfang zu aquarellieren, malte er nicht wie üblich auf speziellem Aquarellpapier, sondern auf schlichtem Schreibpapier, das zum Teil auch noch kariert oder liniert war. In Verbindung mit der sehr feuchten Farbe wellte sich dieses dünne Papier äußerst stark. Nach eigener Aussage versuchte er auf diese Weise, die typische Aquarellästhetik zu vermeiden und seinen Arbeiten einen individuellen Charakter zu verleihen.

Auch beim Farbauftrag hielt er sich nicht an Konventionen. Die eigentlich für das Aquarell typische Transparenz vermied er fast vollständig und trug die Farben mit einer hohen Deckkraft auf. Bei der Farbwahl erlaubte er sich ebenfalls Ausflüge in ungewohnte Gefilde und setzte nicht nur helle und bunte Farben, sondern hin und wieder auch sehr dunkle Töne wie Schwarz, Grau und Braun ein. Im gesamten Malvorgang seiner überwiegend abstrakten Werke mit Wasserfarben spielten für ihn zudem auch Zufallsprozesse eine wichtige Rolle. So schwenkte er beispielsweise das Blatt nach dem Farbauftrag in verschiedene Richtungen und ließ den Aquarellfarben damit ihren freien Lauf.

Aquarell auf Papier, 1988. Signiert und datiert. Motivgröße/Blattformat 16,3 x 23,7 cm. Format im Rahmen 35 x 42,5 cm wie Abbildung

Porträt des Künstlers Gerhard Richter

Über Gerhard Richter

"Ich verfolge keine Absichten, kein System, keine Richtung, ich habe kein Programm, keinen Stil, kein Anliegen." Mit diesen Worten beschreibt sich selbst einer der erfolgreichsten und vielseitigsten Künstler unserer Zeit - Gerhard Richter.

Geboren 1932 in Dresden, verließ Richter noch vor dem Mauerbau seine Heimatstadt und ging in den Westen, um hier sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf fortzusetzen. Aufsehen erregte der junge Künstler mit seiner fotorealistischen Malerei von Motiven direkt aus dem heimischen Familienalbum. In einer Zeit und Umgebung, in der vor allem die experimentelle, abstrakte Kunst das Sagen hatte, sorgten Richters Bilder für Furore.

Richters Eigenschaft scheint zu sein, sich immer dann nach neuen Ausdrucksweisen umzusehen, wenn eine von ihm erkundete Methode sich erfolgreich am Kunstmarkt etabliert hat. Nach seiner figurativen Malerei in Grau folgten monochrome Graubilder und die farbigen "Vermalungen", die das Bildmotiv unkenntlich machten. Mitte der 1970er-Jahre lässt er sich auf die Abstraktion ein, nicht minder erfolgreich als mit seinen vorherigen Arbeiten.

Die Vielseitigkeit zieht sich durch Gerhard Richters gesamtes Œuvre. Er ist nicht "nur" Maler, sondern auch Bildhauer und Fotograf, er zeichnet, aquarelliert, macht Performances und Installationen. Seine Fotografien und Grafiken sind inzwischen ebenso begehrt wie seine Malerei, hohe Preise inbegriffen. Seine Gemälde nehmen den Raum ein und entstehen unter vollem körperlichem Einsatz.

Sein Ruhm und die hohen Preise sind dem Künstler selbst manchmal unheimlich, wie er in einem Interview mit der Zeit von 2015 freimütig einräumte. Der Popularität seiner Werke tut dies jedoch keinen Abbruch. Richter ist ein Künstler, der trotz seines herausragenden Status sich selbst treu geblieben ist und lieber seine Kunst sprechen lässt, anstatt sich selbst zu inszenieren.

2011 erzielte sein Ölgemälde "Kerze" von 1982 bei einer Versteigerung eines großen Auktionshauses knapp 12 Millionen Euro. Das Bild gehört zu einer Serie, die Richter Anfang der 1980er Jahre in seinem leicht unscharfen, fotorealistischen Stil malte. Es gilt als Symbol für den schweigenden Protest der DDR-Bürger gegen das sozialistische Regime und wurde zu einem von Richters bekanntesten Motiven.

Als bedeutendster privater Sammler von Gerhard Richter gilt übrigens der britische Musiker Eric Clapton mit über 50 Werken. Und das, wo doch die Arbeiten Richters auf dem Kunstmarkt die teuersten eines lebenden Künstlers sind. Die Leinwand "Abstraktes Bild" von 1986 wurde bei Sotheby’s für 41 Millionen Euro zugeschlagen. Und sogar das grafische Werk Richters wird zum Teil bereits im sechsstelligen Bereich gehandelt.

Gerhard Richter erhielt 1997 den Praemium Imperiale, den "Nobelpreis" der Künste und 2002 als besondere Anerkennung eine umfassende Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art. Mit 188 Werken die größte, die dort jemals einem lebenden Künstler gewidmet wurde.

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